Archäologen finden menschliche Knochen beim Sternenplatz. Stand hier im Jahr 983 das Kloster Petershausen?

Kreisarchäologe Jürgen Hald (rechts) und Grabungstechniker Björn Schleicher stehen an der Grube: Hier sind sie auf die Gründung der Kirche des Klosters Petershausen gestoßen. | Bild: Philipp Zieger
Kreisarchäologe Jürgen Hald (rechts) und Grabungstechniker Björn Schleicher stehen an der Grube: Hier sind sie auf die Gründung der Kirche des Klosters Petershausen gestoßen. | Bild: Philipp Zieger

Vielleicht liegen hier die Gebeine von Bischof Gebhard. Er soll an dieser Stelle begraben worden sein. Dort, wo einst die Kirche des Klosters Petershausen stand. Ein rekonstruierter Torbogen soll schon bald an den einst rechtsrheinischen Ursprung der Stadt erinnern. Gebhard war Klosterpatron, ebenso Papst Gregor. Ihm zu Ehren hat die Kirche seinen Namen getragen. Sein Haupt soll zur Weihe der Kirche im Jahr 992 sogar überführt worden sein. Es könnte sein, dass Archäologen bei Grabungen auf Fundamente dieses Ursprungsbaus gestoßen sind.

Auf gleich mehrere Gräber sind die Archäologen gestoßen. | Bild: Philipp Zieger
Auf gleich mehrere Gräber sind die Archäologen gestoßen. | Bild: Philipp Zieger

Könnte sein deswegen, weil Jürgen Hald derzeit nur von einer Vermutung ausgeht. Der Kreisarchäologe steht mit seinem Kollegen, Grabungstechniker Björn Schleicher, am Rand einer Grube. Auf Mauerreste der zweiten Klosterkirche, dem Eingang, nahe dem Sternenplatz waren sie bereits zu Anfang des Jahres gestoßen. Sie haben nun das Grabungsfeld erweitert, und siehe da: Im Erdreich liegt das Fundament des einst für Petershausen so wichtigen Baus, und es ist erstaunlich gut erhalten.

Skelette in der Grube
"Wir stehen hier im Inneren der Kirche", sagt der Archäologe und bemüht die Vorstellungskraft. An den Fundamenten liegen mehrere Skelette. Auf fünf Gräber sind die Wissenschaftler gestoßen und auf drei weitere Grabnischen. Wer hier vor Jahrhunderten seine letzte Ruhe fand, war Geistlicher, Mönch, oder hatte wohl mit dem Klosterbetrieb etwas zu tun. Der seinen Ursprung im Jahr 983 hatte, als Bischof Gebhard II. die Benediktinerabtei gründete.

Ihr Name Petershausen war angelehnt an den Petersdom in Rom. Es entstand die erste Kirche an dieser Stelle, an der einen Seite das Archäologische Landesmuseum, in Sichtweite das Stadtarchiv. Neun Jahre lang haben die Handwerker an dem romanischen Bau gearbeitet. 1159 zerstörte ein Feuer die gesamte Klosteranlage.

Wiederaufbau ab 1162
Von 1162 bis 1180 vollzog sich der Wiederaufbau – mit einer Kirche, deren Eingang ein mächtiges und reich verziertes Portal bildete. Dieses hat der Verein Petershauser Orgelkultur nachbauen lassen nach einem Entwurf der HTWG-Studentinnen Hanna Baumann, Eva Hillemeyr und Anja Riedesser.

Fünf Meter hoch wird das Kunstwerk aus Cortenstahl, "es ist bereits fertig", sagt Vereinsvorsitzender Wolfgang Müller-Fehrenbach. Er freut sich auf die Einweihung am 10. Mai. Bis es soweit ist, muss noch ein Fundament entstehen. Der Fund der Archäologen ist hierbei zur zusätzlichen Herausforderung geworden.

So sieht die gesamte Grube mit den Skeletten aus. Links ist der Anbau des ALM zu sehen, im Hintergrund die Kreuzung am Sternenplatz. | Bild: Philipp Zieger
So sieht die gesamte Grube mit den Skeletten aus. Links ist der Anbau des ALM zu sehen, im Hintergrund die Kreuzung am Sternenplatz. | Bild: Philipp Zieger

Es gilt, die Gründung vermutlich gleich zweier alter Kirchen zu bewahren. Der größte Teil, auf den Kreisarchäologe Jürgen Hald vom Rand der Grube aus blickt, stammt eben vom zweiten Gotteshaus. Er erkennt allerdings noch Mauerteile, die aus der Zeit vor dem 11. Jahrhundet stammen könnten: "Wir können noch nicht sagen, wie alt die sind."

Weil diese unter der zweiten Klosterkirche sind, liegt die Vermutung nahe, dass es sich um Teile des Ursprungsbaus von 983 handeln könnte. Eine Ziegelkante in der Grube weist aufgrund dieser Bauart auf spätere Veränderungen hin. Somit treffen hier eventuell drei Epochen aufeinander: Vorromanik, Romanik und Barock. Die Archäologen entnehmen die Skelette und lassen sie untersuchen.

Funde bleiben nicht sichtbar
Noch bevor die Wissenschaftler auf die Fundamente gestoßen sind, lautete eine Idee: Die Mauer der zweiten Klosterkirche für die Öffentlichkeit sichtbar halten. Das wäre nach den weiteren Funden einerseits zu teuer, sagt Wolfgang Müller-Fehrenbach, andererseits könnte die Witterung den Gründungen schaden.

Deshalb geschieht an dieser Stelle, was Archäologen für die beste Methode zur Konservierung halten: Die historischen Schätze wieder mit Erde zuzuschütten. Damit verschwinden die einzigen Überreste des Klosters Petershausen in Konstanz wieder aus dem Blickfeld.

Das Tor ist bereits fertig und sie sehen der Aufstellung entgegen (von links): Wolfgang Müller-Fehrenbach vom Orgelkulturverein, Werkstattmeister Bernd Schächtle, Metallbaumeister Andreas Böhler und HTWG-Studentin Anja Riedesser. | Bild: Karin Stei

Die Sandsteinfiguren des einstigen Portals sind im Badischen Landesmuseum Karlsruhe. Und Jürgen Hald kann die Entscheidung des Markgrafen von Baden nur bedauern. Nach der Säkularisation und damit nach dem Ende des Benediktinerklosters ließ er die Klosterkirche im Jahr 1831 abreißen. Eine erhaltene romanische Kirche: Das wäre ein richtiger Schatz, ist der Kreisarchäologe überzeugt.

Das Portal
Rund 100.000 Euro kostet die Rekonstruktion des Portals der einstigen Petershauser Klosterkirche. Der Verein Petershauser Orgelkultur finanziert den Bau. Spenden können auf das Konto der Sparkasse Bodensee BIC: SOLADES1KNZ, IBAN: DE 206905 00010024 0156 12 eingezahlt werden. Am 10. Mai ist die Einweihung des Portals am Erweiterungsbau des ALM geplant. Beginn ist um 11 Uhr mit einem Gottesdienst auf dem Klosterareal.

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