Archäologischer Fund löst Begeisterung aus

Im Regelfall lösen archäologische Funde bei Bauherren keine Begeisterung aus, weil zumeist Bauverzögerungen, Umplanungen  und Kostensteigerungen die Folge sind. In diesem Fall aber löst der Fund der Mauer der alten Klosterkirche Petershausen, die 1189 eingeweiht wurde, große Freude aus. „Es ist eine kleine Sensation“, wertet Wolfgang Müller-Fehrenbach, Vorsitzender des Vereins Petershauser Orgelkultur. Der Verein will an der ursprünglichen Stelle der Klosterkirche St. Georg ein neues Portal errichten, um an die reiche Historie des Stadtteils zu erinnern. Dass sich jetzt die Projektumsetzung verzögert, stört Müller-Fehrenbach keineswegs. Im Gegenteil: „Das ist doch großartig. Ich bin begeistert, denn unsere Idee ist, an die vergessene Urzelle des rechtsrheinischen Stadtteils zu erinnern.“ Das Vorhaben der Visualisierung der einstigen Bausubstanz werde durch den Fund im wahrsten Sinne untermauert.

Überraschend ist der Fund eigentlich nicht. Bei Grabungen im Jahr 1999 wurde die Grundmauer bereits freigelegt. Die Fachleute, wie Kreisarchäologe Jürgen Hald und  Ralph Röber vom Archäologischen Landesmuseum, staunen jedoch, dass die Mauer in einem äußert guten Zustand ist. „Da geht einem als Archäologe das Herz auf“, so Röber, der an der seinerzeitigen Grabung beteiligt war. „Es ist ein schönes Gefühl des Wiedersehens.“    

„Jetzt prüfen wir die Originalsubstanz und dann müssen sich die Architekten überlegen, wie die Fundamentierung des Portals erfolgen kann“, erläutert Jürgen Hald. Gleichzeitig müsse die Frage diskutiert werden, ob die Relikte für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden können oder sollen. „Es wäre natürlich reizvoll, die Originalsubstanz zu zeigen. Das würde die Geschichte begreifbarer machen“, so Hald, der allfälligen Entscheidungen mit dieser Aussage jedoch nicht vorgreifen möchte. Schließlich müsse geklärt werden, wie das historische Gut konserviert werden könne und ob diese Vision überhaupt realisierbar sei.

„Ob man den Fund offen halten kann, ist ein wichtiger Aspekt, den man prüfen muss“, findet auch Wolfgang Müller-Fehrenbach, der anfügt: „Es wäre eine fantastische Möglichkeit.“ Die Original-Mauerreste in Verbindung mit der modern interpretierten Gestaltung des einstigen Portals der romanischen Klosterkirche würden eine treffliche Symbiose eingehen. Zumal heute eigentlich nichts an die bedeutende, mit einem großen Turm ausgestatten  Klosterkirche, die im Rahmen der Säkularisierung 1831 abgerissen wurde, erinnere. Das Areal sei zum Hinterhofgelände geworden, bedauert Wolfgang Müller-Fehrenbach. Die alten Mauerreste und das neue Portal seien mehr, als sich der Verein je erhofft hatte, um auf die klerikale Geschichte des Stadtteils hinzuweisen. „Allerdings müssen wir jetzt erst einmal eruieren, ob und wie die Sichtbarmachung erfolgen könnte und wieviel das Ganze kostet“, stellt Wolfgang Müller-Fehrenbach fest.

Vom ehemaligen Kloster Petershausen, der historischen Urzelle rechtsrheinischer Besiedlung, ist heute kaum mehr etwas zu erkennen. Der Verein Petershauser Orgelkultur hat sich bereits im Jahr 2015 zum Ziel gesetzt, ein neues Portal an historischer Stelle an der Südseite des Archäologischen Landesmuseums aufzustellen, um auf die historische Bedeutung des Stadtteils hinzuweisen. Hanna Baumann, Eva Hillemeyr und Anja Riedesser, Studierende  an der HTWG Konstanz, haben ein fünf Meter hohes Kunstwerk entworfen. Es handelt sich um die Adaption des Klosterkirchen-Portals, welches in Cor-Ten-Stahl ausgeführt wird. Ein Teil des Kunstwerks ist bereits vollendet. Für die Gesamtmaßnahme hat der Verein rund 100 000 Euro kalkuliert, die durch Spenden erwirtschaftet werden sollen. Sollten die jetzt wieder zum Vorschein gekommenen, historischen Mauerreste konserviert und sichtbar gemacht werden, würden sich die Kosten erhöhen.

(as)

Bild: Aurelia Scherrer

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